Simone Fasnacht_Madnesst_Der Volpe

Sie will die Welt liebevoller machen

Simone Fasnacht (34) träumte als Kind davon, Tänzerin zu sein – oder Aktivistin. Letzteres wurde sie. Im Frühling 2020 hat Simone «Madnesst» gegründet, ein Netzwerk von Mental-Health-Aktivist*innen. «Wir alle bringen Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen mit und nutzen unsere Erkenntnisse für die Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit», erklärt Simone.
Im Zentrum stehen jeweils die Enttabuisierung, Entstigmatisierung und Normalisierung des psychischen Leidens.

Die Diagnose als «Freipass»

Simone selbst lebt seit Jahren mit einer psychischen Erkrankung. 2014 erhielt sie die Diagnose. Damals war es für sie eine Erleichterung: «Ab dem Moment, als ich die Diagnose erhielt, konnte ich mich mit meinem Krankheitsbild auseinandersetzen.»

Heute seien die Krankheitssymptome in den Hintergrund gerückt, sodass ihre Persönlichkeit «wieder zum Ausdruck» komme. Ihr Denken, Fühlen und Handeln seien nicht mehr manisch, psychotisch oder depressiv gefärbt. «Ich identifiziere mich nicht mehr mit meiner Grunderkrankung, da ich mich von ihr emanzipiere.»

Die Erkrankung hatte auch etwas Positives, erzählt Simone, denn sie «zwang» sie, Dinge zu tun, die ihr gut tun: «Meine Diagnose wirkte in meinem Umfeld wie ein Freipass, was mir ermöglichte, mich dem zu widmen, wer ich bin und wonach sich meine Seele wirklich sehnt.»

Aus diesem «Freipass» entstand unter anderem «Madnesst». Simone bezeichnet es als Netzwerk mit dem gemeinsamen Ziel, die Welt ein wenig liebevoller zu machen. Das Kernteam rund um Simone mit Jennifer Unfug, Jlona Dreyer und Nik Petronijevic organisiert nun die erste öffentliche «Madnesst»-Veranstaltung. Lässt es die Pandemie zu, sollte es im Oktober soweit sein. Weitere Infos findest du zur gegebenen Zeit auf madnesst.com.

Madnesst, Netzwerk von Mental-Health-Aktivist*innen
Kernteam von «Madnesst»: Jlona, Nik, Simone, Jennifer (v.l.n.r.)

Mit Wissen die Stigmata bekämpfen

Doch wie genau will «Madnesst» psychische Erkrankungen entstigmatisieren? «Eine komplexe Frage», sagt Simone. Sie weist darauf hin, dass es wohl mit der Wissensvermittlung beginnt. «Denn Stigmata entstehen meist durch Unwissenheit und Angst.» So redeten einzelne «Madnesst»-Mitglieder bereits öffentlich über ihre Erkrankung (unten findest du zwei Videos und einen Podcast).

Simone will den Weg mit «Madnesst» so lange gehen, wie es für sie stimmig ist. «Das Schönste an diesem Projekt ist, mit Menschen in Kontakt zu kommen, bei denen gewisse Grundhaltungen mit meinen übereinstimmen und wir dann zusammen etwas erschaffen, was von grossem gesellschaftlichen Wert ist. Dieser Prozess ist für mich unglaublich beflügelnd.»

Was bedeutet «Madnesst»?

«Madness» heisst auf Deutsch Wahnsinn und spielt auf die erkrankte Psyche an. Es soll verdeutlichen, dass Betroffene noch immer diskriminiert werden.

«Nes(s)t» symbolisiert einen sicheren Ort, in dem sich Leben entfalten kann und Kreativität sichtbar wird.

Jlona alias «catvelvet_art» war Teil der grossen Reportage «Einstein in der Psychiatrie».
Simone diskutierte mit Laurin Buser, Stress und Fatima Moumouni über Mental Health.
In Robin Rehmanns Sendung «Sick of Silence» redete Simone über ihre Erkrankung.
Übrigens: Robin ist inzwischen ebenfalls «Madnesst»-Mitglied

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