DER VOLPE WIE VERHALTE ICH MICH WENN MEIN PARTNER DEPRESSIV IST

Wie verhalte ich mich… wenn mein Partner depressiv ist? (Teil 1)

Die Depression ist für eine (Liebes-)Beziehung unglaublich herausfordernd. Meiner Erfahrung nach spielt es dabei keine Rolle, ob eine Person, oder gleich beide davon betroffen sind. Weil, naja: Beide Varianten sind beschissen 🤷‍♂️
Seit vier Jahren lebe ich mit meinem Freund zusammen. Wir beide mussten die Erfahrung machen, wie es ist, der depressive Teil und der „gesunde“ Teil der Beziehung zu sein.

Über die Jahre habe ich mir Strategien angeeignet, damit ich mit den verschiedenen Situationen umgehen kann.
Folglich wirst du nun meine Lösungswege lesen. Bestenfalls inspirieren sie dich, eigene Wege zu finden.

Schwerpunkt: Alltag

Für den heutigen Beitrag habe ich die häufigsten Gedanken und Sorgen thematisiert, mit denen man sich als „gesunder“ Teil in der Beziehung oft auseinandersetzt.

Gedanken & Sorgen

„Mein Partner verschliesst sich mir gegenüber. Ich kann keine Gespräche mit ihm führen.“
Wenn sich der Partner abkapselt, passiert es oft, dass man ihm helfen will, damit er so schnell wie möglich aus seinem Tief kommt. Bitte tu das nicht. Sieh davon ab, ihm Ratschläge zu geben. Denn die gut gemeinten Worte lösen meist das pure Gegenteil aus. In seinen Ohren hört es sich so an, als würdest du ihm sagen: „Schau, ich weiss es besser als du.“
Das heisst nicht, dass ein Redeverbot sinnvoll ist. Jedoch braucht es enormes Fingerspitzengefühl. Du hast Angst davor, das Falsche zu sagen? Dann sag ihm genau das. Denn somit machst du den ersten Schritt und öffnest ihm gegenüber deine Gefühlswelt. Dies kann ihm helfen, auch seine Gefühle dir gegenüber zu offenbaren.

DER VOLPE WIE VERHALTE ICH MICH WENN MEIN PARTNER DEPRESSIV IST

„Er schläft den ganzen Tag, geht nicht mehr zur Arbeit und gemeinsame Termine hält er nicht mehr ein“
Du bist sein Partner. Du bist nicht ein Elternteil, du bist nicht sein Therapeut und du bist nicht sein Jobcoach. Bleib sachlich. Denn er weiss genau, was für Konsequenzen sein Verhalten nach sich zieht.
Bei den gemeinsamen Abmachungen und Terminen sieht die „Sachlage“ ein wenig anders aus. Denn, wie gesagt, du bist sein Partner. Und eine Beziehung funktioniert nur, wenn beide Seiten sich an gemeinsame Entscheidungen halten. Ihr seid gleichwertige Teile in der Beziehung – beide haben das gleiche Recht. Kommuniziere also klar, dass du dich auf den Kinoabend gefreut hattest, du es aber akzeptierst, dass ihr zuhause bleibt, weil ihm die Menschenmasse im Kino zuviel ist.
In dieser Situation kannst du ihm auch Alternativen anbieten. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Netflix-Abend?
Oder du akzeptierst seine Entscheidung und gehst trotzdem ins Kino. Alleine oder mit deinen Freunden. Mach dir bewusst: Er ist depressiv, nicht du. Dein Leben darf weiterhin Freude machen.

„Ich weiss, dass meinem Partner ein Klinik-Aufenthalt gut tun würde – aber ich habe Panik davor, dass unsere Beziehung das nicht aushält.“
Wie gefällt dir diese Variante: Dein Partner versumpft immer weiter in seinen quälenden Gedanken, euer gemeinsames Sozialleben beschränkt sich auf das Leben in der gemeinsamen Wohnung und du wirst immer wie frustrierter, weil dir eure Beziehung stetig fremder wird.
Eure Beziehung hat mit einem freiwilliger Klinik-Aufenthalt seinerseits sehr viel grössere Überlebenschancen. Unterstütze ihn dabei.

„Er ist nun in der Klinik. Er meldet sich kaum. Auch redet er nicht darüber, was er den ganzen Tag macht.“
Die Zeit in einer Klinik ist sehr, sehr anstrengend. Oft verbringt man von morgens bis abends seine Zeit in unterschiedlichen Therapien. Und in diesen Sitzungen wird die eigene Persönlichkeit, die Vergangenheit, die Familiengeschichte und auch Traumata permanent durchleuchtet und thematisiert. Dazu kommt die unkontrollierbare Gefühls-Achterbahn, die man während dieser Zeit erlebt.
Gib ihm also seine wohlverdiente Ruhe und mach dir bewusst, dass in der Klinik nicht nur das Personal den Feierabend nötig hat, sondern auch die Patienten.

„Normalerweise stopft sich mein Freunde voll, wenn er im Stress ist. Doch momentan isst er kaum noch etwas. Geht es ihm also besser?“
Nein, nicht zwingend.
Der Körper kommuniziert ständig. Das Zuviel-Essen ist oft ein Versuch, die innere Leere zu füllen, oder durch die späteren Magenschmerzen den Körper wieder fühlen zu können. Grosser Stress kann aber auch lähmen. Und die Depression ist purer Stress. So kann es gut sein, dass ein Mensch, der bei „normalgrossem“ Stress viel isst, in der Depression es aber nicht mehr schafft, Nahrung zu sich zu nehmen.

„Unsere Beziehung zerbricht an seiner Depression!“
Dieser Gedanke tut weh – für beide Partner. Jedoch ist es ein Gedanke, der ausgesprochen werden muss. Wenn darüber geschwiegen wird, wird der Gedanke immer wie bedrohlicher.
Fakt ist: Die Depression betrifft nicht nur eine Person, nicht nur eure Beziehung, und auch nicht nur die Familie. Euer gesamtes soziales Netz ist davon betroffen.
Also kommuniziert auch nach aussen, nehmt Hilfe an und nutzt die Depression als Chance, herauszufinden, wie ihr als Paar in Krisensituationen zurecht kommt.

„Eigentlich wollte ich mit ihm Schluss machen. Doch nun, da er Depressionen hat, habe ich Angst, dass er sich etwas antun könnte.“
Depressive Menschen sind oft depressiv, weil etwas wichtiges in ihrem Leben nicht „gelebt“ wird. Das kann eine jahrelang anhaltende Wut sein, die unterdrückt wird,  oder ein Lebensstil, den man sich nicht zu leben traut.
Oftmals ist der Weg aus der Depression der Weg der Echtheit: Alles, was der eigenen Persönlichkeit nicht entspricht, wird abgestreift. So sind Jobwechsel oder Umzüge oftmals sehr heilend.
Verstehst du, was ich zu erklären versuche? Niemand kann dir versichern, dass sich dein Partner nichts antun wird, nachdem du mit ihm Schluss gemacht hast. Gleichwohl kann es sein, dass das Beziehungsende für euch beide heilsam ist. Sei ein Vorbild und lebe die Wahrheit.

Zum Schluss

Rede, rede, rede, rede mit ihm. Aber vor allem: Weine auch mit ihm. Nichts rückt zwei Menschen näher zusammen, als sich gegenseitig die wahren Gefühle zu zeigen!
Ich zum Beispiel genoss es, nach der Arbeit Zuhause meinen Partner minutenlang zu umarmen und zu weinen, weil mich der Alltag überforderte. Dieser Akt der Zuneigung gab (gibt) mir enorm viel Kraft.

DER VOLPE WIE VERHALTE ICH MICH WENN MEIN PARTNER DEPRESSIV IST

Als Partner einer Person mit Depressionen macht man weder alles falsch, noch alles richtig. Es gibt keinen Verhaltenscodex. Und wenn doch, dann ändert sich dieser von Minute zu Minute. Das ist die Depression. Und dein Partner kann sich glücklich schätzen, dich zu haben. Oder warum sonst hast du diesen Artikel gelesen😇? Danke.

Herzlichst,
Der Volpe 🦊

Hast du weitere Fragen? Schreib mir: frage@dervolpe.ch

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