Die Gefahr einer Selbstdiagnose

Eine «Der Volpe»-Leserin fragte mich, wie es für mich ist, wenn «gesunde» Menschen sagen, dass sie eine «kleine Depression» hätten oder in einer depressiven Stimmung seien. «Macht dich das wütend, oder wie gehst du mit diesem gedankenlosen Umgang mit der Krankheit um?», wollte sie von mir wissen.

Nun, die kurze Antwort ist: Mich persönlich machen solche Aussagen nicht wütend – sie können aber gerade für Betroffene (mit einer Diagnose) zu einem enormen Druck führen und sie zusätzlich belasten.

Eine Depression wird nicht durch Jogging geheilt

Eine Depression ist eine Krankheit. Punkt. Sie ist kein Gemütszustand und schon gar keine Entscheidung. Nun stell dir aber vor, bei dir hat eine Fachperson eine Depression festgestellt und jemand aus deinem Umfeld erzählt dir, dass er selbst «wohl auch» Depressionen hatte, aber durch Jogging diese dann wieder verschwunden sind.

Der «Rat» mag gut gemeint sein, aber in ihm steckt auch eine Gefahr. Denn eine Depression lässt sich nicht durch Jogging heilen. Bewegung kann die Psyche sicher positiv unterstützen, aber sie löst eine psychische Krankheit nicht einfach so auf.

Zudem kann eine solche Aussage die Person, die tatsächlich eine Depression hat, zusätzlich belasten, da sie laut diesem «Tipp» zu wenig aktiv gegen ihre Krankheit vorgeht.

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Den Irrsinn erkennen

Schicksale und Krankheiten kann man nicht 1:1 miteinander vergleichen, manchmal hilft es jedoch, eine Problematik besser zu verstehen:

  • Würdest du ohne ärztliche Diagnose einfach so behaupten, dass du Krebs hast?
  • Würdest du einem Krebspatienten sagen – ohne dass du selbst die Diagnose erhalten hast – dass du den Krebs mittels Jogging besiegt hast?

Diese zwei Fragen helfen mir, den ganzen Irrsinn und auch die Gefahr zu erkennen, wenn Menschen mit einer falschen Selbstdiagnose und vermeintlichen Tipps um sich werfen und somit ihre Mitmenschen unter Druck setzen.

Positive Seite der Selbstdiagnose

Mir ist es wichtig, zu betonen, dass eine Selbstdiagnose an sich auch hilfreich für einen selbst sein kann – zumindest dann, wenn sie dich dazu bewegt, deine Vermutung von einer Fachperson untersuchen zu lassen und du somit womöglich schnell professionelle Hilfe bekommst.

Mein Fazit

Es muss uns allen bewusst werden, dass es einen grossen Unterschied zwischen einer Depression gibt und einer Verstimmung. Eine Verstimmung lässt sich vielleicht tatsächlich durch mehr Sport «beheben», bei einer Depression ist das anders – genau darum ist es ja eine Krankheit!

Was meinst du dazu? Siehst du es ähnlich – oder ganz anders?
Schreib in die Kommentare oder erzähl es mir in einer Mail: mail@dervolpe.ch.

Ich freue mich!

Herzlichst,
Remo🦊