Wirf den Ballast ab!

Der Volpe_Koerper akzeptieren

Meine psychische Verfassung hatte schon immer Auswirkungen auf mein Körpergewicht. In den letzten zehn Jahren schwankte es bis zu 25 Kilo rauf und runter. Immer dann, wenn es mir wieder gut ging, verschwand mein Hüft- und Bauchspeck fast von alleine. Und wenn ich mich in einem depressiven Tief befand, tauchte es wieder auf und drückte meine Stimmung zusätzlich.

Als Konsequenz davon beherbergt mein Kleiderschrank Hemden, Shirts und Hosen von den Grössen M bis XXXL. In den letzten Jahren war es also nie wirklich mit viel Freude verbunden, wenn ich den Schrank öffnete. Immer erinnerten mich die Kleidungsstücke an die schlanke Vergangenheit. Das stresste mich aber nur latent, so dass ich alle Kleidungsstücke behalten habe.

Essen als Antidepressivum

Vielmehr beschäftigte ich mich mit meinem Körpergewicht. In den letzten Jahren war es immer ein Kampf: Ich warf mir vor, zu dick zu sein, während ich Pizza und danach Schokoladenmousse ass. Mich grundsätzlich davon abzuhalten, Ungesundes zu essen, brachte nicht viel. Denn das Fiese: das (fettige) Essen hat eine antidepressive Wirkung auf mich.

Dann kam Marco ins Spiel. Wir haben die Haushaltsarbeit so aufgeteilt, dass das Wäsche einräumen in sein Gebiet fällt. Letzte Woche, nachdem er meine Kleider einräumte, fragte er mich: «Macht es dir eigentlich Freude, wenn du deinen Kleiderschrank öffnest?» Erst dann begriff ich: In den mehr als fünf Jahren in denen wir zusammen sind, gibt es Hemden, die ich nie anhatte – weil sie mir zu eng sind. Ich warte also seit Jahren darauf, dass mein Körper wieder sein «richtiges» Gewicht hat und akzeptierte somit seine aktuelle Form nicht – und somit auch mich nicht.

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Der Prozess des Abschieds ist der Beginn der Akzeptanz

Also habe ich diese Woche begonnen, den Schrank für den jetzigen Remo einzurichten. Ich habe mir endlich (!) Hosen in meiner richtigen Grösse bestellt und die Kleider aus dem Schrank genommen und jede Hose und jedes Shirt, das mir nicht mehr passt, auf einen Haufen gelegt.

«Und jetzt, was nun?», dachte ich mir. Denn das schöne an meinen Anziehsachen ist, dass jedes davon eine Geschichte erzählt. Viele begleiten mich schon seit Jahren und fast bei jedem einzelnen weiss ich, was ich damit alles erlebt habe – irgendwie krass. Bis jetzt ist mir die Geschichtsträchtigkeit meiner Kleidung noch nie aufgefallen. Was also soll ich nun mit der zu engen Kleidung machen? Schliesslich will ich meine «alten Freunde» nicht einfach in den Müllsack stecken.

Ich entschied mich dazu, die Hemden, an denen ich am meisten emotional hange, für einen symbolischen Preis zu verkaufen und das Geld an eine gemeinnützige Organisation zu spenden – so bewirkt das Weggeben gleich mehrfach Gutes. 😀
Falls jemand also Lust auf ein Secondhand-Hemd hat, hier lang.

Die anderen Kleidungsstücke gehen in die Kleidersammlung und ein, zwei Hemden (die ich noch nie getragen habe, da ich sie schon damals «bewusst» eine Nummer kleiner gekauft hatte) wanderten in Marcos Schrank.

Warum das Kleiderausmisten sinnvoll ist

Es geht mir nicht darum, dass ich mich weiterhin ungesund ernähre. Es geht um die Akzeptanz der Gegenwart. Und wenn meine Gegenwart ausschliesslich für eine mögliche, schlankere Zukunft eingerichtet ist, werde ich nie und nimmer beginnen, meinen Körper zu akzeptieren.
Ich zwinge mich nun liebevoll dazu, jedes einzelne Kilo anzunehmen und im besten Fall zu lieben. Wenn ich zweiteres schaffe, werde ich mir in Zukunft sehr viel Liebe geben können. 👀😄

PS:
Ich hatte schon einmal über Akzeptanz geschrieben, aber wie schon dort erwähnt: Es ist ein stetiger Prozess! Hier gehts zum Artikel (ich muss mir diesen wohl auch noch ein paar Mal durchlesen 🙈).

Herzlichst,
Remo🦊