Den Tod verarbeiten

Vor ein paar Wochen ist eine sehr gute Freundin von mir gestorben. Ich schämte mich dafür, dass es mir deswegen nicht gut ging. «Ich lebe ja weiter, ich habe kein Recht, mich schlecht zu fühlen», war einer meiner Gedanken.

Mein Verstand wusste, dass ich jedes Recht dazu hatte, mich nicht gut zu fühlen. Aber ich wollte es mir nicht eingestehen. Denn: «Es geht um sie, nicht um mich», hiess es in meinem Kopf immer wieder. Ich hatte Angst, meine Trauer ins Zentrum zu stellen und dadurch ihren Tod, ihr Schicksal «nicht wichtig genug» zu nehmen. Also versuchte ich, nicht zu trauern.

Die Beerdigung gab mir Gewissheit

Anstatt der Trauer kam eine unheimliche Skepsis über mich. Denn eigentlich hatten wir geplant, nach ihrem Spitalaufenthalt einen Ausflug zu unternehmen. Dieser Gedanke kam immer wieder und immer gesellte sich die vorsichtige Stimme dazu, die sagte: «Remo, ich glaube, dass das nicht mehr geht. Denn sie ist gestorben.» Immer wieder «vergass» ich ihren Tod – ich zweifelte regelrecht daran – und immer wieder musste ich daran erinnert werden.

Die Beerdigung half mir, ihren Tod zu akzeptieren. Ihre Asche zu sehen, war unangenehm, ungewöhnlich und irgendwie verstörend. Dann stellte sich eine Gewissheit ein: Sie ist gegangen. Von diesem Moment an verschwand meine Skepsis.
Der gemeinsame Ausflug wird definitiv nicht mehr stattfinden. Diese traurige Gewissheit löste eine grosse Anspannung in mir. «Sie ist gegangen, ich bin aber noch hier», sagte ich mir. Ich muss ihren Tod verarbeiten – nicht sie. Darum erlaubte ich mir, Stück für Stück meiner Trauer, Wut, Enttäuschung mehr Beachtung zu schenken.

Es geht um uns Lebende

Nein, es ist nicht fair, dass sie sterben musste. Nein, am Ende des Lebens gibt es nicht immer ein Happy End. Und nein, es bringt nichts, wenn andere sagen, dass «das Leben weitergeht». Alle Emotionen dürfen und müssen Platz haben. Sie müssen gefühlt und dann losgelassen werden. Und manchmal kommen die Emotionen wieder zurück. Und das ist okay.
Die Toten müssen sich nicht mehr mit ihrem Ableben auseinandersetzen. Das liegt an uns. Uns Lebenden.

Nicht Ratschläge, sonderN Erfahrungen helfen

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich mir unsicher, ob ich den Text überhaupt publizieren soll. Denn nur schon das Wort «Tod» zu schreiben, fühlt sich komisch an. Aber er gehört zum Leben. Wir alle haben Menschen verloren, die wir in unser Herz geschlossen haben. Manche von uns werden diese Erfahrung erst noch machen.

Gute Ratschläge helfen bei dem Prozess nicht. Zumindest helfen sie mir nicht. Aber zu wissen, dass die Verarbeitung ein Grundrecht jedes Menschen ist und dass damit niemandem etwas «weggenommen» wird, hilft mir, den Verlust zu verarbeiten.

Wie gehst du mit dem Thema Trauer um?
Wenn du magst, teile uns deine Erfahrung(en) mit. Vielleicht hilft es jemandem.

Herzlichst,
Remo🦊

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